Geschichte der Verbandsgemeinde Landstuhl

Entlang der Westpfälzischen Senke, am nördlichen Rand der Sickinger Höhe, erstreckt sich das Gebiet der Verbandsgemeinde Landstuhl über eine Fläche von rd. 5.600 ha mit den Ortsgemeinden Bann, Hauptstuhl, Kindsbach, Mittelbrunn und Oberarnbach sowie der Sickingenstadt Landstuhl, dem Sitz der rund 17.000 Einwohner zählenden Verbandsgemeinde. Hinzu gezählt werden noch mehrere Tausend Angehörige der Stationierungsstreitkräfte aus den NATO-Mitgliedsstaaten.

Die Sickingenstadt Landstuhl, als Erholungsort anerkannt und raumordnerisch als Mittelzentrum ausgewiesen, ist Standort zahlreicher Dienstleistungsbetriebe und staatlicher Dienststellen, die ein bürgernahes Verwalten gestatten und den Wohnwert des Bereichs erheblich bereichern.

Die Landstuhler Gesamtgemarkung liegt in einem Gebiet, das im Hochmittelalter ein Machtzentrum des Reiches darstellte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Landstuhl und die Ortsgemeinden ihren Anteil an seiner Geschichte haben. Das Gebiet war schon in vorgeschichtlichen Zeiten besiedelt. Vom ersten bis vierten nachchristlichen Jahrhundert lässt sich eine keltisch-germanische Siedlung nachweisen, und auch die Römer haben hier Spuren hinterlassen (Grabdenkmäler „Sickinger Würfel“; Götterreliefs). Von Bedeutung war die uralte Straße Rhein–Saar, die zwischen Moorniederung und Steilabfall der Sickinger Höhe verlief. Die Franken schufen, nachdem sie die Alemannen nach Süden abgedrängt hatten, ein System von Königshöfen als Stützpunkte für die Rodung, Besiedlung und Verwaltung des Königslandes.

Der Königshof Nannenstuhl, Anfang des 9. Jh., als villa Nannenstuol im Lorscher Kodex erwähnt, verwaltete zwölf Huben, die sich von Ruppach (bei Hauptstuhl) bis zum Königsbach (Kindsbach) erstreckten und im Süden einen Teil der Höhenlandschaft einbezogen. Aus diesem Kern entwickelte sich später das Amt und die Herrschaft Landstuhl, nachdem um die Mitte des 12. Jh. Burg Nannenstein erbaut (in einer dort ausgefertigten Urkunde Kaiser Heinrichs VI., 1190–97, genannt) und als Reichslehen an Ministeriale und Grafen vergeben worden war. 1323 und 1347 wird Landstuhl bereits als Stadt bezeichnet. Stadt und Burg wechselten mehrfach die Besitzer, bis sie gegen Ende des 15. Jh. in die Hände der Sickinger kamen. Franz von Sickingen baute die Burg aus und begründete die Herrschaft Sickingen-Landstuhl.

Das Land auf der Höhe, an dem das Verbandsgemeindegebiet durch die Gemeinden Bann, Oberarnbach und Mittelbrunn Anteil hat, nahm seit der Schenkung von sechs Königshuben an das Pirminiuskloster Hornbach im Jahre 976 eine andere Entwicklung. Vom Queidersbacher Hof aus breiteten sich die Pirmansbauern über die Höhe aus, rodeten Wälder und schufen Neuland. Der Schutz dieser zum Kloster gehörenden Neubauern war ursprünglich den Grafen von Pfeffingen und im 12. Jh. den Herren von Homburg übertragen. Anlässlich einer Teilung des Gebietes im Jahre 1364 wurden erstmals die Ortsnamen genannt.

Bann war Kondominat und blieb lange Zeit in Besitz der Kurpfalz und der Grafen von Daun zu Falkenstein. Urkundlich wurde Bann erstmals in einer päpstlichen Bulle des Jahres 1182 genannt. Unter Franz von Sickingen kam Bann für drei Jahrhunderte zur Herrschaft Sickingen. Im Mittelalter stand in Bann schon eine Wehrkirche, die 1496 in der Synodale von Worms erwähnt wird. Sie wurde von Horbach aus verwaltet.

Mittelbrunn war um 1531 noch unter sechs Herrschaften aufgeteilt und kam erst 1589 zur Herrschaft Landstuhl, mit Ausnahme eines Sechstels, auf dessen Mitgerichtsbarkeit das Ordenshaus Einsiedel Anspruch erhob. Die älteste urkundliche Erwähnung finden wir im Jahre 1230, als ein Ritter Volmar nach seinen Besitzungen oder nach seiner Herkunft den Namen „von Mittelburn“ angenommen hatte.

Oberarnbach wurde 1364 als Markierungspunkt der Grenze genannt. Das Dorf gehörte im 14. Jahrhundert zum Herrschaftsbereich der Grafen von Homburg. Im 16. Jahrhundert unterstand der Ort der Herrschaft Sickingen-Landstuhl. 1798 war Oberarnbach der Mairie Gerhardsbrunn zugeteilt. Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges überwiegend landwirtschaftlich geprägt, entwickelte sich Oberarnbach nach 1945 zunehmend zur Wohngemeinde mit ländlichem Charakter.

Die Gemarkung Hauptstuhl, im Westen des Verbandsgemeindegebietes, gehörte ursprünglich zum Reichsland und kam im 13. Jh. bei Gründung des Amtes Nanstein zu dessen Herrschaftsbereich. Das Dorf Habstuhl, wie es anfangs genannt wurde, ist erstmals im Jahre 1547 nachgewiesen. Während des 30-jährigen Krieges ging das Dorf, das an der Durchmarschstraße der Westpfälzischen Senke lag, unter und wurde erst gegen Ende des 17. Jh. wieder besiedelt.

Der älteste Nachweis von Kindsbach stammt aus dem Jahre 1265 und lautet Kunigesbach. Die Gemarkung gehörte ebenfalls zum Reichsland. Als der Königshof Nannenstuhl gegründet wurde, erstreckte sich das dazugehörende Hubenland bis zum Königsbach; später verlief hier die Grenze des Amtes Landstuhl, zu dessen Herrschaftsbereich Kindsbach stets gehörte.

Die markanteste Persönlichkeit unter den Burg- und Landesherren von Landstuhl war sicherlich der Reichsritter Franz von Sickingen, der während seiner Fehde mit dem Erzbischof von Trier, von den verbündeten Fürsten von Trier, Hessen und Kurpfalz belagert, 1523 auf seiner Burg den Tod fand. Erst 1542 erhielten seine Söhne die Burg zurück. Sie ließen um die Mitte des 16. Jh. ihrem Vater ein reiches Grabmal setzen, das den Ritter in voller Rüstung in Überlebensgröße betend auf einem Löwen zeigt und heute in der kath. Pfarrkirche St. Andreas steht.

Bis zur französischen Revolution blieben Landstuhl und die 1689 von den Franzosen zerstörte Burg Nanstein im Besitz der Familie von Sickingen. Das Ortsbild des alten Teiles von Landstuhl wird noch heute wesentlich durch die Sickingschen Herrschaftsbauten bestimmt. – Auf dem alten Friedhof ist der Chor der ehemaligen Pfarrkirche St. Andreas mit kunstgeschichtlich und ikonographisch wertvollen Wandmalereien aus der 1. Hälfte des 15. Jh. erhalten.

Um die Wende zum 19. Jh. wurde Landstuhl Hauptort eines 32 Landgemeinden umfassenden Kantons. Damit begann der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt. Wegen seines großen Einzugsgebietes hat Landstuhl günstige Voraussetzungen für Kleingewerbe und Handel.

Die vorteilhafte Verkehrslage nutzten nun auch einige Wirtschaftsbetriebe und gründeten in Landstuhl Niederlassungen. Diese Betriebe (Drahtstiftfabrik, Großgärtnerei, Lohgerberei, Sandsteinbrüche, erste Molkerei der Pfalz u. a.) bewirkten den ersten wirtschaftlichen Aufstieg im 19. Jahrhundert. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung und zu den Industrieansiedlungen schickte sich Landstuhl an, Kurstadt zu werden. Das 1896 gegründete Moorbad erlangte auch tatsächlich große Bedeutung. Seine Schließung im Jahre 1968 wird noch heute beklagt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm Landstuhl weiterhin alle Anstrengungen für eine vielschichtige Industrieansiedlung.

Heute findet man in der Verbandsgemeinde Landstuhl moderne Gewerbegebiete, die von der verkehrstechnisch vorzüglichen Lage im Herzen zusammenwachsender Wirtschaftsräume in Europa und den vorhandenen Ressourcen an qualifizierten Arbeitskräften profitieren.